Schneewittchen poppig und schwungvoll

Grimm-Märchen als modernes Musical für die ganze Familie im ausverkauften Gloria-Theater.

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05. Januar 2012, Badische Zeitung


Am Schluss des Märchen-Musicals im Gloria-Theater hieß es Ende gut, alles gut für Schneewittchen und die lustigen Zwerge

BAD SÄCKINGEN. Prinzessinnen haben es heutzutage auch nicht leicht. In der Wirklichkeit werden sie von Paparazzi und der Regenbogenpresse gejagt, und im Märchen trachten ihnen grausame Stiefmütter nach dem Leben, so wie in "Schneewittchen".

Die altbekannte Geschichte vom bezaubernden Mädchen, der bösen Königin und den lustigen Zwergen kam im ausverkauften Bad Säckinger Gloria-Theater als modernes Märchen-Musical für die ganze Familie auf die Bühne.

Das vertraute Märchen der Brüder Grimm ist in dieser Schneewittchen-Inszenierung des Theaters Liberi aus Bochum mit poppigen, schwungvollen Musicalsongs und gefühlvollen Balladen aufgepeppt und textlich umgemodelt worden.

Autor und Regisseur Helge Fedder und die Komponisten Christoph Kloppenburg und Christian Becker erzählen die Geschichte in zeitgemäß aufgefrischter Musical-Version mit professionellen jungen Musicaldarstellern.

Schneewittchen ist ein junges Mädchen von heute, das von Schönheitswahn und Dünkel nichts hält. "Ich will einfach ich sein", singt Nicole Behnke als Titelheldin, die kein abgehobenes Prinzessinnenleben führen will. In diesem Song klingt an, dass nicht das Äußere, sondern der Mensch wichtig ist, so wie er eben ist.

Liebreizend, ganz natürlich, unbekümmert und ungekünstelt spielt Nicole Behnke dieses Schneewittchen, ihr Spiel hat etwas Herzerfrischendes und ihre Stimme klingt reizend und klar. Mit ihrem langen dunklen Haar und der anmutigen Gestalt im rosa Traumkleid bezaubert sie nicht nur den Prinzen, sondern auch das Publikum.


Witzig gemacht: ein sprechender Spiegel

Dieser Prinz Kai, wie ihn Viktor Silvester Wendtner als Lockenkopf mit stürmischem Temperament und draufgängerischem Charme gibt, ist alles andere als ein Frosch. Vielmehr ein sympathischer, lockerer, etwas vorwitziger Thronfolger auf Brautschau, der das bildhübsche Schneewittchen für eine Hofdame hält und hin und weg ist von ihrer Anmut. Sie sei schöner als die schönste Blume, schmeichelt er ihr, und die beiden geben ein hübsches Paar ab, wenn sie bei der ersten Begegnung etwas scheu miteinander flirten.

Beim Auftreten von Karen Lauenstein als eiskalte, herrische Königin im strengen schwarz-weißen Kleid fühlt man sich an die Laufsteg- und Castingshows à la "Germany’s next Top Model" erinnert. Diese Königin ist dem Schönheitsdiktat verfallen. Für sie zählt nur das blendende Aussehen, der äußere Schein, sie schikaniert ihre Hofdamen und nervt den Spiegel Tag für Tag mit derselben Frage: "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?"
Es ist witzig gemacht, dass der sprechende Spiegel mit sonorer Stimme aufmuckt, ob die Königin denn nicht einmal etwas anderes wissen wolle… Karen Lauenstein ist überzeugend in der Rolle der tyrannischen, von Eitelkeit, Neid und Mordplänen zerfressenen Königin, schreit und lacht hexenhaft und wirkt unheimlich dämonisch, wenn sie im schwarzen Umhang durch den Wald schleicht, im Korb den vergifteten Apfel für Schneewittchen.

Das sparsame Bühnenbild mit wenigen mobilen Elementen wird im Handumdrehen zum geheimnisvollen Wald, wo Schneewittchen angstvoll umher irrt und schließlich in einer Hütte landet. Die Szenen mit den Zwergen sind originell als Schattenspiel inszeniert, man sieht die Zwerge wie Scherenschnitte aufmarschieren.

Auf der Bühne erscheinen nur zwei Zwerge leibhaftig: Christiane Athmer und Laura Birte spielen und singen mit munterer Komik die arbeitsscheuen Zwerge Tobi und Paul im kunterbunten Zipfelmützen-Look, an dem Pippi Langstrumpf ihre Freude hätte. Die beiden drolligen Kobolde, die sich vor der Arbeit drücken, sich beim Putzen und Aufräumen mit dem Besen so ungeschickt anstellen, ulkig und tollpatschig im Wald umherstolpern, sorgten bei den Kindern für die meisten Lacher und Erheiterung – das kam bei den Kleinen im Publikum noch am besten an in diesem eher für ältere Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene geeigneten Märchenmusical.

Zum Schluss heißt es Ende gut, alles gut, wenn Prinz Kai sein Schneewittchen mit einem Kuss aufweckt – fast wie bei Dornröschen…