Riesengelächter schon vor dem allerersten Ton

Maddin Schneider entzückt das Publikum im Gloria-Theater mit seinen komischen Grimassen und seiner verqueren Alltagslogik

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09. Februar 2010, Badische Zeitung


Maddin im Gloria-Theater

BAD SÄCKINGEN. Lang und schlaksig steht er auf der Bühne, wirkt immer ein bisschen linkisch. Noch bevor Maddin Schneider den Mund aufmacht, muss man schon lachen. Denn allein seine Erscheinung, seine schlenkernden Bewegungen, seine Miene mit Schnute und Glubschaugen, seine herrlich komischen Grimassen sind schon zwerchfellreizend genug. Und wenn "Deutschlands berühmtester Hesse" im breit gedehnten Dialekt loslegt und über häusliche Katastrophe, die Liebe und seine Ex-Flamme Janine schwadroniert, ist beste Unterhaltung garantiert im ausverkauften Bad Säckinger Gloria-Theater.

Ja, hätte Maddin nur mal auf seine Oma gehört, die so weise Ratschläge für alle Lebenslagen parat hat. So wird denn im aktuellen Programm "Ariwiedätschi" alle Nase lang die lebenskluge Oma zitiert. Ein kalter "Kopp" und warme Füße sollen über Krisen aller Arten hinweghelfen. Maddin hat es ausprobiert und erzählt dem amüsierten Publikum lang und breit von der Überschwemmung in Küche und Bad, der er in seiner unnachahmlichen Manier Herr wird: indem er erst mal Tee trinkt, mit dem Staubsauger das Wasser aufsaugt und die Räume gründlich trocken föhnt...
Verquere Alltagslogik und das Komisch-Absurde im Leben und Liebesleben bringt der Komiker und Kabarettist im hellen Anzug mit Ariwiedätschi-T-Shirt auf gut hessisch auf den Punkt. Der liebenswerte Chaot, der auch in heftigsten Liebes- und Alltagskatastrophen die Ruhe weg hat und immer so hintergründig mit seiner Bildung und Intelligenz kokettiert ("Ich habe Mittlere Reife und Winterreifen..."), wirkt immer ein bisschen unbeholfen und verschroben. Aber Achtung, das täuscht gewaltig. "Isch bin ein Womanizer", outet sich der aus der Comedy-Show "Schillerstraße" bekannte Comedian und hat gleich ein Opfer im Visier: Yvonne aus der ersten Reihe. Um "Schneggsche" abzuschleppen, hat er sich jetzt sogar ein passendes Auto zugelegt – einen Abschleppwagen.

Frauen beim Putzen machen ihn immer so wild und hemmungslos, gesteht der zappelige Schlaks mit den strubbeligen Haaren, der einfach nicht versteht, dass seine Janine ("Schanin") ihn so lahm fand und seine Leidenschaft für historische Apfelsorten nicht teilen konnte. Wenn Maddin über Frauen und Streuobst, Elefantenkühe und Hengste, Kamasutra und Schleudertrauma beim orientalischen Tanz philosophiert und sich verbiegt wie ein Schlangenbeschwörer, steigt die Lachquote im Gloria gewaltig an. Ebenso, wenn Maddin den hoffnungslos altmodischen Romantiker herauskehrt, der am "herzigen" Plumpsklo seiner Oma hängt. Manchmal wird es gar makaber-komisch in Maddins verqueren Gedankenspielen über Särge und selbst geplante Beerdigungen.

Einen trockenen Humor kann man dem Schauspieler wirklich nicht absprechen: "Mister Brain" hat die Masche, so begriffsstutzig zu wirken und die großen existentiellen Dinge auf seine Art erklären, einfach gut drauf. Witzig ist auch das Geplänkel, das sich der Komiker mit seinem Begleitmusiker Jochen Engel am E-Piano liefert. Immer wieder kabbelt er sich mit dem Musiker, der ihm auch mal Paroli gibt, und kommentiert schlagfertig dessen wild gemustertes Hemd: "So was hatten wir vor 30 Jahren. Als Tapete...". In den Songs, in denen bekannte Hits wie "You are so beautiful” oder "Highway to hell” ulkig umgetextet werden, macht Maddin auf wild gewordenen Schmusesänger und Möchtegern-Rocker mit Schlag bei den Frauen – sehr zum Spaß des Publikums.