Song-Inszenierungen, die unter die Haut gehen

"Texte mit Aha-Erlebnis" bei den SWR-3-Live-Lyrix vor 600 Zuschauern im Gloria-Theater / Mit ironisch-frechen Sprüchen.

< < z u r ü c k

29. Januar 2011, Badische Zeitung


Popsongs brachten die Schauspieler Carola von Grot und Ronald Spiess zusammen mit Moderator Ben Streubel (Mitte) bei den SWR-3-Live-Lyrix lebendig auf die Bühne des Bad Säckinger Gloria-Theaters.

BAD SÄCKINGEN. Den Elch hatten sie natürlich mit dabei. Und jede Menge bekannter Popsongs. Die gab es bei den SWR-3-Live- Lyrix im nahezu ausverkauften Bad Säckinger Gloria-Theater nicht nur zu hören, sondern als inszenierte Performance zu erleben. Die Schauspieler Carola von Grot und Ronald Spiess setzten die Liedtexte in Szenen um. In diesen Übersetzungen und schauspielerischen Inszenierungen waren manche "Texte mit Aha-Erlebnis" zu entdecken, wie es Moderator Ben Streubel nannte. Auch die 600 Zuhörer waren überrascht, welche Botschaften, Geschichten und Inhalte in den eingängigen Sounds verpackt sind.

Zwei riesige Kerzenleuchter, große farbig changierende, kubische Leuchtwürfel und effektvolle Lichtstimmungen boten die optische Kulisse für diese Erfolgsshow, mit der SWR 3 auf neuer Tour ist. Schlagfertig, witzig, mit ironisch-frechen Sprüchen und locker drauf präsentierte Live-Lyrix-Mann Streubel die "Perlen der Popsongs". Der Ra-diomann fand einen guten Draht zum Publikum, lästerte über das Dschungelcamp, schwärmte vom Gloria-Theater und der angesagten Musicalstadt Bad Säckingen: "Vergessen Sie den Broadway, Hamburg und Stuttgart." Für ein kleines Pop-Quiz holte er zwei Kandidaten aus dem Publikum auf die Bühne, die nach Textzeilen Songs erraten sollten. Als Gewinn winkte ein Elch. Eine Zuschauerin, die Geburtstag hatte, bekam eine heiße "Party" mit Sekt, Discotanz und Lady Gaga spendiert.

Bühnenwirksam gemacht war die Inszenierung der aktuellen Titel, Kult-Hits und Popklassiker von Queen bis Pink. Während im Hintergrund die Songs liefen, agierten Carola von Grot und Ronald Spiess szenisch eindringlich, sprachen und interpretierten die Liedtexte mit viel Emotionalität und Intensität, aber auch augenzwinkerndem Humor. Das begann mit "Hollywood" von Marina and the Diamonds über den amerikanischen Traum, in dem Spiess die Freiheitsstatue mimte. Stark auch die Performance in dem Supertramp-Klassiker "School". Auch die Romantiker unter den Popfans kamen auf ihre Kosten, etwa in Robbie Williams’ "You know me", in dem ein Mann seiner Liebsten sagt: "Seit du mich verlassen hast, bricht mein Herz jeden Tag aufs Neue." Höchste Romantikstufe hieß es bei Elton Johns "Your Song": Da wird ein Lied zum Geschenk an die große Liebe, und von Grot traf den richtigen gefühlvollen Ton. Und sie spielte überzeugend die verknallte Heldin in dem rhythmisch pulsierenden Song "Jungle Drum": "Mein Herz schlägt wie eine Buschtrommel."

Abwechslungsreiche und kontrastreiche Lieder

Die Auswahl der Songs war abwechslungs- und kontrastreich, ebenso die Umsetzungen auf der Bühne: "Telephone" von Megastar Lady Gaga über einen nervigen Handy-Anrufer kam in hipper Tanz- und Partylaune daher, während andere Titel ernste, sozialkritische Themen ansprechen: zum Beispiel Elvis Presleys "In the Ghetto" über die Armut, den Überlebenskampf und die Chancenlosigkeit eines Jungen im Ghetto von Chicago, oder "Camouflage" über einen Soldaten im Dschungelkrieg, der von einem Schutzengel, dem Geist eines toten Soldaten, beschützt wird. Unter die Haut ging auch die Song-Inszenierung über die Naturzerstörung des Planeten mit Metaphern über die schreiende Erde und die weinenden Meere. Es gab aber auch viel zum Entspannen, Träumen und Lachen, beispielsweise die Szenen eines streitenden und sich versöhnenden Musikerpaares in "New York Fairy Tale" oder die Zugabe "Summer Nights" aus dem Musical "Grease".